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Schulvorbereitungen

Unsere Entscheidung ist gefallen: Marie wird auf die örtliche Regelschule gehen.

Es ist nicht nur eine Entscheidung des Herzens. Wir und alle, die Marie kennen, trauen ihr das zu. Das kommende halbe Jahr bis zur Einschulung nutzen wir, um die nötigen Vorbereitungen zu treffen, damit Marie beim Start in den neuen Lebensabschnitt die bestmöglichen Rahmenbedingungen vorfinden wird.

Ein erstes Kennenlerngespräch mit der Direktorin der Grundschule hatten wir schon im Herbst. Sie hat uns ein gutes Gefühl vermittelt, unser Kind ist trotz mangelnder Erfahrung mit dem Thema Hörschädigung Willkommen. Das war für uns die Grundvoraussetzung, denn ohne entsprechender Bereitschaft, sich auf ein hörbeeinträchtigtes Kind einzustellen, geht es nicht. Bei dem Treffen waren auch die Integrationsbeauftragte und gleichzeitig Maries betreuende Erzieherin sowie unsere Betreuerin vom MSH (= Mobile Sonderpädagogische Hilfe) dabei. Sie hat der Rektorin erklärt, welche Vorbereitungen die Schule bzw. die Gemeinde als Trägerin treffen kann bzw. sollte, um die Raumakustik im Klassenzimmer zu verbessern. Außerdem hat sie den Kontakt zum MSD Hören (= Mobiler Sozialpädagogischer Dienst) hergestellt, der Marie während ihrer Schulzeit begleiten wird.

Mit der Dame vom MSD habe ich anschließend einen Termin mit der Schule abgestimmt, zu dem sie in einem Erstklasszimmer eine Raumakustik-Messung vornahm. Positiv: die Klassenzimmer sind bereits mit schalldämmenden Decken ausgestattet sind. Ideal wären zusätzlich noch Teppichböden und Vorhänge, was sich aber wohl nicht durchsetzen lassen wird. Corona-bedingt werden im Sommer alle Klassenzimmer mit Luftaustausch-Anlagen ausgestattet, diese werden fest eingebaut, sind also nicht mobil. Diese Anlagen produzieren einen gewissen Geräuschpegel, der 30db nicht übersteigen sollte. Hier erkundigte sich unsere Rektorin beim Hersteller und bei der Gemeinde, und glücklicherweise liegen die Grenzwerte knapp darunter. Bei der Platzwahl im Klassenzimmer soll aber in jedem Fall darauf geachtet werden, dass Marie so weit wie möglich weg von dieser Lärmquelle sitzt. Ein Platz ganz vorne ist ideal, damit sie auch die Möglichkeit hat, das Mundbild der Lehrerin zu sehen. Hoffentlich kommen bis dahin die Masken weg. Die schlucken ja auch noch den Schall und trägt nicht gerade zu einem besseren Verständnis bei.

Der MSD hat nach der Begutachtung der Räume ein Empfehlungsschreiben verfasst, in denen Maßnahmen zur Verbesserung der Raumakustik aufgeführt sind. Die Schulleiterin hat dieses Schreiben an die Gemeinde weitergeleitet und wird nun dort geprüft. Der finanziell größte Posten, der darin aufgeführt wird, ist die so genannte Soundfield-Anlage. Das ist eine Art Lautsprecher-Säule, die die Lehrerstimme verstärkt . Das Gerät ist wirklich faszinierend: Es misst automatisch den aktuellen Schallpegel im Raum und optimiert seine eigene Lautstärke. Durch die Anpassung der Lautsprecher bleibt die übertragene Sprache klar und deutlich zu verstehen. Und davon profitiert dann nicht nur Marie sondern alle Kinder in der Klasse. Wenn Marie später in ein anderes Klassenzimmer oder eine weiterführende Schule zieht, kann sie die mobile Anlage einfach mitnehmen. Ich bin gespannt, ob die Gemeinde zustimmt, die Kosten in Höhe von rund 1.000,-€ zu übernehmen. Im Sinne einer gelebten Inklusion sollte dies eigentlich selbstverständlich sein.

Eine FM-Anlage haben wir bereits. Die Kosten dafür hat damals die Krankenkasse übernommen. Im Kindergarten setzen sie diese im Morgenkreis oder bei der Vorschule schon ein. Dabei trägt die Erzieherin ein Gerät um den Hals, das den Schall aufnimmt und mittels Funkübertragung direkt auf Maries CIs überträgt. In der Freizeit nutzen wir die FM-Anlage vor allem beim Ski- oder Fahrradfahren. Es ist absolut ratsam, dass sich die Kinder schon vor Schuleintritt mit der FM-Anlage vertraut machen können, damit mit Schuleintritt nicht tausend neue Dinge erlernt werden müssen.

Bei unserer Krankenkasse haben wir als Erweiterung zu dem Sender-Gerät, das die Erzieherin oder Lehrerin um den Hals trägt, zusätzlich zwei Handmikrofone beantragt, in die die anderen Kinder hineinsprechen sollen. Dann wird wiederum deren Stimme auf Maries CIs übertragen. Das hat außerdem den positiven Nebeneffekt, dass es nachweislich die Sprechdisziplin in der Klasse erhöht. Sprechen darf nur, wer das Mikrofon hat (zumindest ist das das hehre Ziel 😉 ).

Was jetzt noch ansteht: Ein umfassender Hörtest beim MSD, eine medizinische Begutachtung, Anträge für die Begleitung des MSD ausfüllen, Lehrer-Eltern-Gespräche vorab, Nachhaken bei Krankenkasse und Gemeinde….

Ach so, da war ja noch was: das Kind!

Neben den ganzen technischen Hilfsmitteln kommt es natürlich auch auf viele weiche Faktoren an: Wie groß ist die Klasse? Welcher Geräuschpegel herrscht? Sind viele lärmende Schüler dabei? Hat die Lehrerin ihre Klasse im Griff? Wie groß ist die Bereitschaft bei Schülern und Lehrern sich auf die besonderen Bedürfnisse eines hörbeeinträchtigten Kindes einzustellen? Kann sich Marie gut integrieren? Wird sie aufgrund der deutlich sichtbaren CIs an ihrem Kopf gehänselt? Wird sie sich trauen zu sagen, wenn sie etwas nicht versteht? Merkt sie überhaupt, wenn sie etwas nicht versteht? Wie schwer wird ihr das lange Zuhören fallen? Viele Kinder und Eltern berichten von erheblichen Ermüdungserscheinungen nach einem Schultag…

Das alles wird sich zeigen. Was wir jetzt tun können, ist, sie nach Kräften zu unterstützen und in ihrem Selbstbewusstsein zu stärken. Die Weichen so stellen, dass sie eine reelle Chance hat, diesen Weg zu gehen. Und ihr signalisieren, dass sie jederzeit auch abbiegen kann, wenn sie eine andere Richtung einschlagen möchte.

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2 Kommentare Neues Kommentar hinzufügen

  1. Alles alles Gute und auch Freude und Erfolg für den neuen Lebensschritt für Marie wünsche ich ihr und der ganzen Familie gp

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