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Über das Glücklichsein

Heute ist es mir ein Bedürfnis , über das Thema Glück nachzudenken. Gerade in diesen Zeiten, wo gefühlt eine schlechte Nachricht die nächste jagt, und unser Leben, wie wir es kennen, bedroht ist, wir sorgenvoll auf steigende Infektionszahlen und  immer striktere Maßnahmen blicken, sollte man auch versuchen, das Gute, was das Leben für uns bereithält, nicht aus den Augen zu lassen.

Was ist Glück?

Ich meine nicht unbedingt „Glück“ im Gegensatz zu „Pech“ oder im oft verwendeten Dreiergespann „Glück – Pech – Schicksal“. Ich möchte vielmehr die Frage in den Raum stellen, was es bedeutet, glücklich zu sein, ein glückliches Leben zu führen. Was Glück in diesem Sinne bedeutet, definiert wohl Jeder für sich individuell unterschiedlich. Jeder „sucht“ sein Glück woanders – der Eine in Reichtum, der andere in der Freiheit, sein Leben so zu gestalten, wie er möchte. Für mich als Mama ist das größte Glück sicherlich meine Kinder. Doch heißt das nicht, dass ich in meinem kinderlosen Leben davor unglücklich war. Im Gegenteil, ich war sogar sehr glücklich, sehr unbesorgt. Die meisten Eltern werden mir wahrscheinlich zustimmen, dass sie, seit sie Eltern geworden sind, von einer Liebe durchflutet sind, die sie vorher nicht kannten, aber mit der Liebe kam auch die Angst – oder nennen wir es Sorge – um die eigenen Kinder; die Angst, dass dieses Glück zerstört wird. Und hat man einmal die reale Bedrohung einer ernsthaften Krankheit, einer Behinderung oder einen Schicksalsschlag durchgemacht, weiß man nicht nur, wie fragil dieses „Glück“ ist, sondern es wird auch nie mehr ganz ungetrübt bleiben.

Aber ist man deswegen weniger glücklich? Oder weiß man nicht sogar das Glück dann noch viel mehr zu schätzen?

Für den griechischen Philosophen Aristoteles bedeutet Glück vor allem das Ergebnis einer guten Haltung und Einstellung gegenüber dem Leben. Diese Haltung ist durch zwei Aspekte gekennzeichnet: Auf der einen Seite glaubt er, dass wir dann am glücklichsten werden, wenn wir den Herausforderungen, die das Leben für uns bereithält, mit einer gewissen Distanz und Gelassenheit begegnen. Andererseits glaubt er, dass wir dann glücklich werden, wenn wir unsere Pflichten erfüllen und im Rahmen unserer Möglichkeiten etwas zur Gemeinschaft, in der wir leben, beitragen.  Glück ist für Aristoteles also das Begleit-Ergebnis einer ethisch durchdachten und richtigen Lebensführung: Wenn ich das Richtige tue und wenn ich nach Wahrheit und Erkenntnis strebe, werde ich auch Glück erfahren können. 

Diese antiken Überlegungen sind in dieser Zeit so aktuell wie nie! Ich möchte am liebsten rausgehen und sie laut hinausschreien: Glück ist, was Ihr daraus macht!

Keiner hat sich eine Pandemie gewünscht. Keiner „wünscht“ sich für sein Kind, das es im Laufe seines Lebens Benachteiligungen ausgesetzt ist. Aber: wir können es schaffen. Sehr gut sogar! Für jeden hält das Leben in irgendeiner Art und Weise Herausforderungen parat. Für die einen kleinere, für die anderen immens große. Im Laufe seines Lebens stößt jeder mal an seine Grenzen, an die Grenzen des Ertragbaren. Es gibt kein sorgenfreies, angstfreies, schmerzfreies Leben. Ebenso gibt es kein rein glückliches Leben. Aber, wir haben es ein Stück weit in der Hand, wie wir langfristig mit den Herausforderungen des Lebens umgehen. Das Jahr 2020 hat uns da schon einiges gelehrt. Die Unterschiede, wie die Menschen mit Corona umgehen, sind immens. Die Einen leugnen die Krankheit als Ganzes, die anderen glauben an obskure Verschwörungstheorien, Andere wiederum fürchten sich so sehr, dass die Angst ihren Alltag bestimmt. Wenn wir es mit Aristoteles sehen, tut es vielleicht ganz gut, wenn ich als Einzelner den aktuellen Herausforderungen mit einer gewissen Distanz und Gelassenheit begegne, aber gleichzeitig alles dafür tue – im Rahmen meiner Möglichkeiten – meinen Beitrag leiste, das Infektionsgeschehen einzudämmen. Ganz konkret heißt das zum Beispiel: Maske tragen und Einhalten der AHA-L-Regel.

Glück nach Aristoteles, bezogen auf meine Tochter heißt das: Ich habe akzeptiert, dass sie taub ist. Ich sehe es inzwischen viel gelassener als noch am Anfang. Es stellt für mich kein Problem mehr da, das mich lähmt. Aber ich tue alles, was in meiner Macht steht, um ihr die besten Voraussetzungen für ein selbstbestimmtes, glückliches Leben zu ermöglichen. Tun das nicht (fast) alle Eltern? Ich bin glücklich, so wie es ist.

Auf die komplexe Frage, was Glück für jeden Einzelnen bedeutet, gibt es sicherlich so viele Antworten wie Menschen auf unserem Planeten. Für mich bedeutet glücklich sein in der Tat, zufrieden zu sein mit dem, was man hat – und sich (ich gebe es zu) ab und an den ein oder anderen Wunsch erfüllen zu können. 🙂

 

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